171 – 1944 - 106

Zahlen stehen für mich als Finanzvorsteherin nun natürlich vermehrt im Mittelpunkt. Vielleicht springen sie mir deshalb auch bei anderen Gelegenheiten häufiger ins Auge als früher. Mein Ausflug ins „ferne“ Schaffhausen fand noch im Sommer statt, doch denke ich immer wieder gerne an die Stadtführung mit dem Kollegen Stadtpräsident Peter Neukomm zurück. So sind es zwei Zahlen, die mir besonders in Erinnerung blieben.

Hunderteinundsiebzig Erker prägen das Stadtbild von Schaffhausen. Bei deren Gestaltung genossen die Bauherren grosse Freiheiten, finden sich doch Erker in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Auch dem grossen Dichter Goethe fielen sie während seines Aufenthalts in der Stadt auf, in seinem Reisetagebuch nennt er die Erker eine Möglichkeit, «unbemerkt zu sehen und zu beobachten». Das wäre auch als Gemeindepräsidentin manchmal praktisch, dachte ich, als ich das hörte, wenn ich Köniz einfach mal eine Weile von aussen unbemerkt beobachten könnte.

Neunzehnhundertvierundvierzig oder genauer gesagt der erste April jenes Jahres prägte die Stadt Schaffhausen auf eine ganz andere Art und Weise. An diesem Tag bombardierten die Amerikaner die Stadt am Rhein. Bis heute ist nicht restlos geklärt, warum es zu diesem Angriff kam. Ich musste mir leise eingestehen: Das war in meinem Gedächtnis nicht mehr präsent und ich nahm mir vor, den Blick wieder vermehrt auf andere Städte zu richten, über den Könizer Tellerrand hinauszuschauen.

Hundertsechs Jahre alt wurde neulich die älteste Könizerin. Es war für mich ein besonderer Moment, ihr persönlich zum Geburtstag zu gratulieren, und sie freute sich sichtlich darüber, dass ihr die Gemeindepräsidentin einen Besuch abstattete. Was für uns ein Novum ist – die erste Könizer Gemeindepräsidentin – muss für sie ein weiterer Stein in einer langen Reihe von Errungenschaften sein, hat sie doch miterlebt, wie sich die Rolle und das Verständnis der Frau im Laufe von einem Jahrhundert veränderten. Sie brachte es dann auch sehr schön auf den Punkt: „Wir Frauen können das auch, gäuet“, meinte sie schelmisch zu mir.  

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