«2x Weihnachten»

Jedes Jahr packen im Logistikzentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes in Wabern Freiwillige die Pakete der Aktion «2x Weihnachten» aus. Und jedes Jahr wird an einem Tag die Prominenz eingeladen, die Aktion aktiv zu unterstützen. Mir fiel die Ehre wohl nur deshalb zu, weil das Zentrum auf Könizer Boden steht, denn ich merkte rasch, dass ich als Könizer Gemeindepräsidentin wenig «VIP» zu bieten hatte. Hinter dem Schwinger Christian Stucki verschwanden sowieso fast alle und prominente Sportler und Sportlerinnen wie Sarah Meier, Stephane Chappuisat oder Mark Streit waren bei der anwesenden Presse entsprechend begehrt. Auch nationale Politgrössen wie alt-Bundesrat Burkhalter, National- und Regierungsräte hatten einen ganz anderen Promi-Status als ich.


Statt also lange herumzustehen, schaute ich, wo es etwas zu tun gab, und so landete ich dort, wo die Pakete ausgepackt wurden. Offiziell werden die Spendenden um «lang haltbare Lebensmittel oder Hygiene- und Toilettenartikel» gebeten.

Konkret befanden sich in den Päckli dann Dinge wie ein Beutel Ochsenschwanz-Suppe, Hagebutten-Tee, Nuss-Schoggi, Staldencrème, Thunfisch, Teigwaren in allen Formen, Honig, Reis, Sandelholz-Seife, Rausch-Haarshampoo, Watte, fröhlich-bunte Zahnbürstli – wahre Wundertüten also! Ich hatte das Gefühl, bei jedem Päckli schaute ich ein bisschen in den Haushalt des Spenders oder der Spenderin hinein. Es scheint, dass häufig die eigenen Lieblingsprodukte eingepackt wurden. Denn warum sonst gerade Ochsenschwanzsuppe oder Sandelholzseife? Die Not nicht mit bloss simplen Grundnahrungsmitteln lindern, sondern schenken, was man selbst mag – eine schöne Geste.

Mit mir hat Käthi Dauwalder ausgepackt. Sie erzählte mir, dass sie seit 22 Jahren mithelfe, also seit Beginn von «2x Weihnachten». Nicht nur an einem Tag, so wie die geladenen Gäste, sondern an mehreren. Denn die erfreulich grosse Zahl von Päckli ist nur zu bewältigen, wenn Hunderte von Freiwilligen mit anpacken. Die Aufmerksamkeit der Spendenden und das Engagement der Menschen, die ohne viel Aufhebens ihre Zeit einsetzen, um etwas für jene in unserem Land zu tun, denen es nicht so gut geht, steht für die Kultur der Freiwilligenarbeit, die in unserem Land gepflegt wird und die unser Land auszeichnet. Sie ist nicht selbstverständlich und sie hat mich bei meinem Kurz-Einsatz im Logistikzentrum beeindruckt.

Mehr über die Aktion «2x Weihnachten»

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