Der Schmetterling lernt langsam fliegen

Der Waldweg von der Könizstrasse Richtung Tubetränki ist einer meiner liebsten im Könizbergwald. Regelmässig bin ich ihn mit unserer Hündin Nera gegangen, als diese noch lebte. Die Aussicht auf die Felder und Wiesen im Ried habe ich immer genossen – gerade im Wissen darum, dass dies die grösste Baulandreserve in der Agglomeration Bern ist und dass dereinst rund 2500 Menschen zwischen Könizbergwald und Niederwangen wohnen sollen. Als ich vor kurzem wieder einmal dort war, habe ich gestaunt: Die Bauarbeiten im Ried sind in vollem Gang und das neue Quartier wächst.

 

Seit mehr als 40 Jahren bestehen Pläne zur Überbauung des Rieds. Ein Teil davon wurde früh realisiert, bis 1992 wegen veränderter Rahmenbedingungen und einer Auszonungsinitiative ein fünfzehnjähriger Baustopp vereinbart wurde. 2006 wurde die Planung wieder aufgenommen und 2012 wurde die neue Überbauungsordnung mit 67% Ja-Stimmen angenommen. Das neue Planungskonzept «Papillon» ist um einiges zurückhaltender als das alte, es sieht mehr Grünfläche und weniger Nutzfläche vor. Zudem wird der denkmalgeschützte Weiler Ried durch gewerbliche Nutzung belebt und soll so zum Zentrum des Quartiers werden, wo es neben Quartierläden und Cafés auch einen grossen Gemeinschaftsraum geben wird. Wenn Wohnungen für 2500 Menschen entstehen, braucht es auch einen Kindergarten, eine Schule und einen Sportplatz. Der Bau der Schule soll 2020 abgeschlossen sein.

Noch ist es aber nicht soweit. Oder um es bildlich auszudrücken: Noch kommt der Schmetterling eher als Raupe daher. Der Kreisel steht noch etwas einsam auf der Landorfstrasse und der Weg, der ins neue Quartier führt, trägt zwar schon stolz den Namen Papillonallee, trotzdem ist nicht zu übersehen, dass er an manchen Stellen noch eher einer Baupiste gleicht. Seit einigen Tagen ziert nun aber das Kunstwerk «Papillon» von Alvar Neuenschwander den Kreisel und die rege Bautätigkeit deutet es an: Wenn sich die Raupe erst mal verpuppt, wird daraus etwas Grosses entstehen!

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