Ein besonderes Jahr…

Im Januar 2020 wies ich an dieser Stelle auf das 100-jährige Bestehen des Könizer Parlaments hin und freute mich auf das Jahr, das ein besonderes werden sollte.Tja. Sicher geht es Ihnen auch so: Die Pläne vom Januar sind heute zu einem grossen Teil Makulatur, Aussagen, die wir früher mal machten, haben heute eine ganz andere Bedeutung.


650 Mitarbeitende zählt die Könizer Verwaltung. In der Wirtschaft spricht man bei dieser Zahl von einem Unternehmen mittlerer Grösse. Beim Lockdown galten die Massnahmen für die Verwaltung genau gleich wie für die Wirtschaft, wobei die Politik bei der Umsetzung eine sehr untergeordnete Rolle spielte. Es ging darum, die Mitarbeitenden zu schützen und gleichzeitig den "Betrieb der Gemeinde Köniz" aufrechtzuerhalten.

In dieser aussergewöhnlichen Zeit konnte ein kleines Rädchen im Uhrwerk des sonst so gut Funktionierenden einen ganzen Prozess kurz ins Stocken bringen und einer sofortigen Lösung bedürfen. Ich erlebte öfter, dass wir kurz verdutzt waren, innehielten und uns dann auf die Herausforderung einliessen und „in neuen Wegen“ dachten. War die Lösung gefunden, hatte das Uhrwerk zwar kurz gestottert, aber es lief weiter – in den meisten Fällen hatte es kaum jemand bemerkt.

Die konsequente Umsetzung der 2-Meter-Abstands liess oft kein langes Diskutieren zu. So war es am Sonntagabend (15. März) nach einer Krisensitzung, dass der Gemeindeschreiber und ich die Cafeteria im Gemeindehaus kurzerhand selbst umstellten, um den nötigen Abstand zwischen den Stühlen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die Mitarbeitenden am Montagmorgen eine „coronataugliche“ Cafeteria vorfanden. Für mich ist dies rückblickend sinnbildlich für die erste Zeit des Lockdowns: Wir packten einfach an, wo es etwas zu tun gab.

Dass ein Kehrichtabfuhr-Mann im Moment von einem Fahrer durch Köniz chauffiert wird, liegt ebenfalls am 2-Meter-Abstand: Die Weitläufigkeit der Gemeinde führt dazu, dass die Männer zuerst an einen Ort fahren (normalerweise zu dritt vorne in der Führerkabine), dann eine gewisse Strecke den Kehricht einsammeln (je zwei hinten auf dem Wagen, hier ist der Abstand gewährt) und dann wieder gemeinsam zurückfahren. Zu dritt in der Führerkabine geht im Moment natürlich nicht. Also mussten wir eine Lösung finden, wie der „dritte Mann“ hingefahren und am Ende der Strecke wieder zurückgeholt wurde. Zum Glück fand sich die Feuerwehr bereit, diese für sie unübliche Aufgabe des „Kehricht-Chauffeurs“ zu übernehmen.

Bei aller Ernsthaftigkeit musste ich manchmal auch schmunzeln: Den besorgten Bürger, der sich telefonisch meldete, weil ein Bauer Gülle ausfuhr, wo der Bundesrat doch Hygiene-Massnahmen beschlossen habe, konnten wir rasch beruhigen. "Bschütte“ sei zwar lästig, aber selbst zu Corona-Zeiten unbedenklich.

Nun treten die ersten Lockerungen in Kraft und wir können einige altbewährte Rädchen wieder einsetzen, das Uhrwerk Schritt für Schritt wieder im gewohnten Takt ticken lassen. Auch der politische Aspekt meines Amtes erhält wieder mehr Gewicht. Ich bin froh, dass die parlamentarischen Kommissionen wieder tagen und es im Mai eine Parlamentssitzung geben wird. Es sind erste Schritte zurück in einen Alltag, wie wir ihn sicherlich alle vermissen und auf den wir uns freuen. Damit es vorwärts und nicht plötzlich wieder rückwärts geht, müssen wir uns jedoch weiterhin an die bundesrätlichen Anweisungenhalten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Geduld und Verständnis und vor allem: Bleiben Sie gesund.

Meine Videobotschaft vom 20. März 2020 an die Bevölkerung von Köniz.

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