Externe Betreuung – für Jung und Alt

Mein persönliches Aha-Erlebnis bezüglich der externen Kinderbetreuung liegt schon einige Jahre zurück. Die Kita erfüllte für mich anfänglich den Zweck, meine damals 2-jährige Tochter in guten Händen zu wissen, während ich berufstätig war. Es war schön und beruhigend zu wissen, dass meine Tochter gerne in die Kita ging. Eines Tages wurde mir jedoch klar: Die Kita gab meinem Kind etwas, was ich ihm nicht geben konnte. Denn dort fand sie Gleichaltrige, mit denen sie am Mittagstisch sitzen, beim Spiel herumalbern und kichern konnte.

Während in Köniz die Zahl der Kita-Plätze in den letzten Jahren zufriedenstellend erhöht wurde, stellen die Kosten, die den Eltern durch die externe Kinderbetreuung entstehen, noch immer ein Problem dar. Diese sind – sowohl in Köniz wie auch in der gesamten Schweiz – im europaweiten Vergleich sehr hoch. Der Grund dafür liegt nicht darin, dass die Kosten für die eigentliche Betreuung in der Schweiz höher wären als in anderen Ländern. Die sind europaweit ungefähr gleich hoch. Der grosse Unterschied in der Schweiz liegt darin, dass der Staat am wenigsten an die externe Betreuung zahlt (ABO+ Artikel, nur für Abonennten zugänglich). Gerade für eine Familie mit einem mittleren Einkommen ist es deswegen unter dem Strich oft lohnender, wenn die Kinder von einem Elternteil betreut werden. In den meisten Fällen bedeutet dies: von der Mutter betreut werden, arbeiten im Kanton Bern doch nur 16% der Männer Teilzeit.

Momentan stehen in der Gemeinde jedoch nicht so sehr die Kitas im Fokus, sondern die Tagesschulen. Sie drohen Opfer ihres Erfolgs zu werden, indem sie von sehr vielen Kindern besucht werden, was zu Platzproblemen und Betreuungsengpässen führt. Es ist meines Erachtens äusserst wichtig, dass für alle Kinder eine qualitativ hochstehende Betreuung gewährleistet bleibt. Eine Tagesschule ist kein «Hüeti-Dienst», es braucht pädagogisch ausgebildetes Personal, das erkennt, wann ein Kind besondere Unterstützung braucht oder wenn es den Anschluss an seine Gspänli zu verlieren droht. Solche gute Betreuung kostet. Dass die Gemeinde Köniz hier immer weniger pädagogisch ausgebildetes Personal anstellt, muss sich aus meiner Sicht wieder ändern

Doch nicht nur junge, sondern auch ältere Menschen müssen in Köniz zeitweise ausserhalb der Familie betreut werden können. Die Spitex bietet bei der Pflege einer Person sehr gute Unterstützung, sie übernimmt auch Haushaltsarbeiten, doch ist sie nicht für deren Betreuung zuständig. Erkrankt eine ältere Person beispielsweise an Demenz und muss rund um die Uhr betreut werden, so fällt diese Aufgabe oft der Partnerin bzw. dem Partner zu. Auch diese befinden sich ja meist im fortgeschrittenen Alter und gelangen durch diese anspruchsvolle Aufgabe mit der Zeit an ihre psychischen und physischen Grenzen. Temporäre und willkommene Entlastung können hier Tagesstätten wie der tilia-Tagestreff bieten. So können Paare trotz Einschränkungen weiterhin im vertrauten Umfeld zusammenleben. Angesichts der Alterung der Bevölkerung ist es unerlässlich, dass die Gemeinde in nächster Zukunft bei der externen Betreuung älterer Menschen eine aktivere Rolle übernimmt als bisher.

Im Herbst 2016 ging das «Konzept für eine altersfreundliche Gemeinde» in die Vernehmlassung und auch die SP Köniz reichte eine Vernehmlassungsantwort ein. Doch seither ist nichts mehr geschehen. Unabdingbar scheint mir die rasche Schaffung eines/einer Altersbeauftragten. Der/Die Altersbeauftragte nimmt die Anliegen zum Thema Alter aus der Gemeinde auf und bildet das Bindeglied zwischen den älteren Menschen und der Verwaltung respektive der Politik. Dies ist wichtig, da sich beispielsweise infolge der Digitalisierung grosse Veränderungen in unserem Alltag ankündigen. Wer nicht mehr in den Arbeitsprozess eingebunden oder in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, droht hier rasch den Anschluss zu verlieren und von Informationen, Angeboten und Dienstleistungen schleichend und unbemerkt ausgeschlossen zu werden. Dieser Gefahr können wir durch die Stelle des/der Altersbeauftragen begegnen und wir erhalten Gewähr, dass wir frühzeitig und situationsgerecht Unterstützung bieten.

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