Kluger Rat - Notvorrat

An einer Stadtführung in Uster kam ich mit Joachim Gerner, seines Zeichens Bürgermeister von Heidelberg, ins Gespräch. Er erzählte, dass er am Vortag mit dem Krisenstab im Einsatz gewesen sei: Das Trinkwasser in Teilen von Heidelberg sei plötzlich am Morgen blau aus den Hähnen geflossen.

Die Ereignisse in Heidelberg lösten bei mir ein Déjà-vu aus: An einem heissen Sommertag des letzten Jahres wurde das Könizer Gemeindeführungsorgan vom Kanton «beübt». Das Szenario lautete: «grünes Trinkwasser». Den ganzen Tag verbrachte ich als Chefin GFO zusammen mit den Mitgliedern des Stabs in der kühlen Zivilschutzanlage. Das war bei den heissen Temperaturen draussen zwar nicht unangenehm, doch das Thema verlangte unsere gesamte Aufmerksamkeit, denn wir probten den Ernstfall im Detail durch. Wie wird die Bevölkerung informiert? Wer kann chemische Proben vornehmen? Wo kann sauberes Trinkwasser organisiert werden?

Obwohl die Verantwortlichen des Kantons der Gemeinde Köniz abschliessend ein gutes Zeugnis ausstellten – das GFO sei gut organisiert und für den Ernstfall gerüstet – bleibt bei mir nach einer solchen Übung ein beklemmendes Gefühl zurück: Was wäre, wenn…?

Privat ging ich über die Bücher: Bei uns im Keller steht nun ein Wasser-Vorrat, damit wir zumindest einige Tage über die Runden kämen und es auch noch fürs Zähneputzen und Teigwarenkochen reichen würde. Auch der übrige Notvorrat wurde aufgestockt. Denn Heidelberg hat mir gezeigt, dass der Nachmittag im Luftschutzkeller mit dem «übungshalber grünen Könizer Trinkwasser» gar nicht so weit weg von der Realität ist.

In Heidelberg ging die Sache zum Glück übrigens glimpflich aus, die Warnung konnte am Abend aufgehoben werden. Bei der Verfärbung handelte es sich um eine natürliche Schwankung in der Zusammensetzung des Wassers.

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