Langfristige Investitionen zahlen sich aus

Als letzte Woche ein grosser Teil des Triftgletschers oberhalb von Saas-Grund abbrach, beschäftigte mich dies, denn ich verbinde Kindheitserinnerungen mit dem Saasertal. Auch heute noch zieht es mich für Wanderungen immer wieder in jene Region. Es ist mehr als offensichtlich, dass unsere Gletscher sehr schnell schmelzen. In 80 Jahren sollen sie praktisch weg sein. Diese Nachricht liess mich aufhorchen, doch auch ich gehöre zu jenen, die die Klimaerwärmung zwar zur Kenntnis nehmen, deswegen ihr Leben aber nicht mit letzter Konsequenz umweltfreundlich gestalten. Meine Familie lebt umweltbewusst, indem wir auf ein eigenes Auto verzichten (nicht aber auf die Dienste von Mobility), Abfall trennen und lokal produzierten, saisonalen Lebensmitteln den Vorzug geben. Doch wir steigen ab und zu für die Ferien in ein Flugzeug und meine Wanderjacke wurde mit umweltschädigenden Mitteln behandelt. Auch bei uns hat es also durchaus noch Luft nach oben.

 

Der Psychologe Adrian Brügger von der Universität Bern hat in einem Radiointerview (ab 14:28) dargelegt, warum die Klimaerwärmung in der Schweiz viele Menschen kalt lasse. Für ihn ist es einerseits das Desinteresse an den Bergen und den Gletschern, andererseits werden sich erst die nächsten Generationen im vollen Ausmass mit den Folgen der Klimaerwärmung auseinandersetzen müssen. Daraus schliesse ich, dass den Menschen also vor allem interessiert, was ihn unmittelbar betrifft.

Dies traf anfänglich auch auf meine politische Arbeit im Parlament Köniz zu. Als ich vor 12 Jahren ins Parlament gewählt wurde, beschäftigte ich mich zuerst mit jenem Thema, das ich aus meinem Alltag kannte: mit der Familienpolitik. Das ist naheliegend, denn anfänglich bewegte ich mich lieber auf bekanntem Terrain und dabei bin ich sicherlich keine Ausnahme unter den Politikerinnen und Politikern: Was wir kennen, dafür setzen wir uns verstärkt ein.

Doch bald waren es die grösseren Zusammenhänge, die mich in der Politik interessierten, und dies führte mich unweigerlich zur Finanzpolitik. Seit 2014 vertrete ich die SP zusammen mit Christian Roth in der Finanzkommission. Die Finanzpolitik bedingt eine langfristige Planung, es ist nicht damit getan, wenn der Gemeinderat fürs nächste Jahr ein ausgeglichenes Budget präsentieren kann. Die nötigen Investitionen müssen zweifellos getätigt werden, aber es gilt dabei genau abzuwägen, ob und wann diese mit fremden Mitteln zu finanzieren sind. Bei grossen Investitionen wie Schulhäusern macht die Fremdfinanzierung durchaus Sinn. Können wir aber die laufenden Kosten nur bezahlen, indem wir Schulden machen, müssen die nächsten Generationen dafür büssen. Das will ich nicht verantworten und ich bin deshalb der Meinung, dass eine Steuererhöhung in Köniz in den nächsten Jahren wohl unumgänglich ist. Das ist bedeutend fairer als das Erhöhen von Gebühren, wie es beispielsweise im Könizerbad gemacht wurde oder nun bei den Mieten von Sportanlagen durch die Vereine geplant ist.

Ich wehre mich dagegen, wenn solches schönfärberisch als «Sparmassnahmen» deklariert wird. Denn wie besagt doch das Sprichwort: «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.» Unsere Gemeinde ist nicht mehr «in der Zeit», wo wir etwas für später auf die hohe Kante legen können. Wir befinden uns bereits in der Phase, wo abgebaut wird: weniger Leistungen für Bibliotheken, keine Leerung der Abfalleimer der an Bushaltestellen am Wochenende, keine Unterstützung des IZ Eichholz.

Somit fügt sich der Abbruch des Triftgletschers dann halt doch in meinen politischen Alltag ein: Er verlief zum Glück glimpflich, die evakuierten Menschen konnten in ihre Häuser zurückkehren. Das Leben in Saas-Grund nimmt wieder seinen normalen Lauf. Doch dies hat durchaus seinen Preis, wurde doch seit 2014 viel Geld in die Überwachung des Gletschers investiert. Langfristiges Denken hat sich für Saas-Grund vorerst ausbezahlt. Dass dies in den nächsten Jahren auch in Köniz geschieht – Sie als Wählerin und Wähler können dies am 24. September entscheiden!

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