Miteinander reden

Erkläre ich einer ortsunkundigen Person, wo ich wohne, beginne ich jeweils rasch von Schliern zu schwärmen. Schliern sei zwar keine wirkliche Schönheit, etwas «Chrut und Rüebe» durcheinandergebaut, doch in fünf Minuten sei ich draussen in der Natur und in zwanzig Minuten am Bahnhof Bern. Und ich verheimliche nicht, dass es in Schliern auch durchaus mal ganz heftig nach «Bschütti» riechen könne.

 

Ich lebe also dort, wo eigentlich die Gräben sein müssten. Wo das städtische Köniz endet und das ländliche beginnt. Wo «Brücken gebaut» werden müssten, damit wir uns besser verstehen. Doch für mich gibt es in der Gemeinde keine Gräben, die sich geographisch an der Bevölkerungsdichte festmachen liessen. Im dichtbesiedelten Liebefeld wie auch in den oberen Ortsteilen, wo einzelne Höfe sehr abgelegen liegen, leben Menschen. Im Gespräch mit ihnen staune ich oft, wie unterschiedlich die Leben sind, die einzelne Menschen führen. Egal, wo sie in unserer Gemeinde ihren Wohnsitz haben.

So traf ich kürzlich einen ehemaligen Schulkameraden. Als wir gemeinsam die Schulbank drückten, hatten wir so ziemlich dieselben Sorgen. Doch unserer beiden Leben verlief völlig unterschiedlich, er führt heute einen der Bauernbetriebe in der Gemeinde. Da auch ich wieder in meinem Elternhaus lebe, befinden wir uns– wie vor 30 Jahren – nur ein paar Kilometer voneinander entfernt. Im Gespräch mit ihm und auch in den Gesprächen mit anderen Menschen, kristallisiert sich immer wieder heraus, dass uns gemeinsame Werte verbinden: Familie, Zufriedenheit, Gesundheit. Sie sind letztendlich zentral, ob es uns «gut geht».

Ich schätze diese Gespräche mit den Menschen. Deshalb sind die letzten Wochen meiner Wahlkampagne zwar zeitintensiv und anstrengend. Doch ist es auch eine schöne Zeit. Viele Menschen gewähren mir Einblick in ihren Alltag, teilen mit mir ihre Sorgen. Ihnen wie auch mir ist dabei bewusst, dass individuelle Probleme auch eine individuelle Lösung bedingen. Und dass die Gemeinde zwar die Rahmenbedingungen verbessern, ich als Person jedoch nicht mit Wohnungsvermietern, Lehrkräften und unfreundlichen Beamten sprechen kann. Und doch tut es gut und es ist wichtig, dass wir jetzt und auch in Zukunft miteinander im Gespräch bleiben.

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