Nigelnagelneu

Anfang August haben auf der Gemeinde Köniz zehn junge Frauen und Männer ihre Lehre begonnen. Als Gemeindepräsidentin begrüsste ich sie im Gemeinderatszimmer. Solche Neuanfänge verlocken fast dazu, ins Pathetische zu kippen. Ich sah sie quasi vor mir, die Jugendlichen, wie sie ganz knapp die Augen nicht verdrehten, spräche ich nun vom Ernst des Lebens. Glücklicherweise bin ich dann am Vorabend noch auf ein Truckli «Schweizer Stifte» gestossen. Wunderschöne Nägel – und der Nagel konkret oder auch im Sprachgebrauch lädt förmlich dazu ein, Stiften etwas mit auf den Weg zu geben.

Ich sprach also von Nägeln, die grosse Holzlatten verbinden, die die Dinge zusammenhalten. Schloss nicht aus, dass man zwischendurch daneben haut. Nicht zu vergessen: Einen Nagel können wir auch wieder herausziehen, geradebiegen und erneut verwenden.

Auch der Neuanfang hört sich weniger pathetisch an: Die jungen Menschen auf etwas festnageln. Mit ihrem Lehrvertrag sind diese jungen Menschen eine Verpflichtung eingegangen, sie werden gegenüber ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen für ihre Taten geradestehen müssen. Sie haben nun zum ersten Mal einen Chef oder eine Chefin und werden ihm oder ihr gegenüber Rechenschaft schuldig sein.

Auch die schwierigen Zeiten werden sich nicht vermeiden lassen. Die Zeiten, wo sie etwas, ja vielleicht die ganze Ausbildung an den Nagel hängen möchten. Doch gerade diese Zeiten werden ihnen schlussendlich besonders in Erinnerung bleiben.

Nigelnagelneu – das trifft es auch bei mir. Mein Start als Gemeindepräsidentin liegt inzwischen schon mehr als ein halbes Jahr zurück und von Routine bin ich bei Vielem noch weit entfernt. Die Zeit ist nun aber richtig, den Blog, der ein fester Bestandteil meiner Wahlkampagne war, hier weiterzuführen.  Er soll Einblick in die vielseitigen Herausforderungen dieses Amtes bieten. Natürlich wird Politik eine Rolle spielen, nicht aber meine persönliche politische Meinung bei Sachgeschäften auf Gemeindeebene. Schmutzige Wäsche wird hier garantiert keine gewaschen, vielmehr will ich in kurzen Texten meine persönlichen Gedanken zu Erlebenissen äussern, die ich nur als Gemeindepräsidentin von Köniz machen kann. Wenn ich dabei ab und zu den Nagel auf den Kopf treffe, freut mich dies umsomehr.

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