Wird Köniz arbeitslos?

Von September bis Dezember des letzten Jahres testete die Post in Köniz Lieferroboter. Im Grossverteiler scanne ich meine Einkäufe heute selbst ein und somit erübrigt sich das Warten vor der Kasse. Immer öfter werden Menschen durch Roboter ersetzt und die Frage ist auch in unserer Gemeinde berechtigt: Verschwinden infolge der Digitalisierung bald viele Jobs?

 

Wird die Schweiz arbeitslos? So lautete der Titel eines Podiums der ETH Zürich. Rolf Sonderegger (CEO Kistler Gruppe), Vania Alleva (Präsidentin Unia), Detlef Günther (ETH-Vizepräsident) und Georges T. Roos (Zukunftsforscher) diskutierten über die Digitalisierung und deren Bedeutung für die Schweiz.

Um es gleich beruhigend vorwegzunehmen. Alle vier waren einhellig der Meinung: In 10 Jahren ist die Arbeitslosenquote noch genau gleich hoch wie heute.

Doch warum macht die Digitalisierung den Menschen Angst? Dafür lieferte Detlef Günther eine einleuchtende Erklärung: Wir erkennen heute zwar, welche Berufe verschwinden werden, doch wir können uns die neuen noch nicht vorstellen. Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle Bevölkerungsschichten mit der Entwicklung der Digitalisierung mitkommen. Es ist heute selbstverständlich, dass Arbeitnehmende das, was sie ursprünglich gelernt haben, nicht während ihres ganzen Lebens machen können. Doch bereitet unser Bildungswesen die jungen Menschen ausreichend auf das permanente Lernen vor? Wie vermittelt man die Tatsache, dass das Gelernte heute eine sehr kurze Halbwertszeit hat?

Auch im Alltag ist es wichtig, dass alle Menschen mit der Digitalisierung Schritt halten können. An den Umgang mit Handy und Internet haben sich ältere Menschen bereits gewöhnt. Doch wie fühlen sie sich dabei? Am Podium der Senioren Köniz wurde klar, dass dies die Menschen beschäftigt: Zuerst schliesst die Post, dann hat es keinen Bancomat mehr in Schliern. Dies verursacht Unsicherheit und es ist nicht damit getan, dass wir darauf verweisen, dass heute doch alles viel einfacher online erledigt werden könne.

Hier ist die Gemeinde gefordert: Wir müssen rasch erkennen und reagieren, wenn die Gefahr besteht, dass Menschen infolge der Digitalisierung von alltäglichen Abläufen ausgeschlossen werden. Es braucht ein niederschwelliges Angebot und die Hilfe von Fachkräften. Wer Hilfe benötigt, muss so lange unterstützt werden, bis die neuen Abläufe einfach von der Hand gehen, damit alle mit der Digitalisierung im Alltag mithalten können.

Interessant ist auch der Aspekt, dass durch die Digitalisierung neue Arbeitsverhältnisse entstehen. Arbeit auf Abruf (Clickworker), Kleinstaufträge und Scheinselbständigkeit stellen eine Herausforderung dar. Vania Alleva spricht in diesem Zusammenhang von der Gefahr der entsicherten Arbeitnehmenden. Folglich müssen neue Strukturen geschaffen werden, damit Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt durch eine Vielzahl von Kleinstaufträgen verdienen, auch gegen Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfälle versichert sind und dass sie Sozialabgaben entrichten.

Klar ist: Niemand will den technologischen Fortschritt stoppen, es geht vielmehr darum, dafür zu sorgen, dass er auch zu einem gesellschaftlichen Fortschritt wird. Nehmen wir diese Aufgabe ernst!

Die Podiumsdiskussion wurde aufgezeichnet. Hören Sie sie sich an, es lohnt sich!

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