Zukunft geschieht nicht einfach so

2011 kandidierte ich gemeinsam mit Annemarie Berlinger-Staub für den Nationalrat. Ich habe sie an einem Anlass in Köniz kennengelernt und wusste, dass sie 2009 ihr Master-Studium in Rechtswissenschaft auf dem zweiten Bildungsweg abgeschlossen hatte. Das allein ein anspruchsvolles Programm. Als ich im gemeinsamen Gespräch erfuhr, dass während des Studiums ihre drei Töchter auf die Welt gekommen waren und ihr Mann damals zu 100% arbeitstätig gewesen war, da wuchs mein Respekt für sie. Um all dies zu managen, muss eine Frau Prioritäten setzen können und die Zeit sehr effizient nutzen. Denn sie vertrat zudem die SP ja auch seit 2006 im Parlament von Köniz. Die Nationalratswahlen endeten schliesslich unschön für Annemarie: Sie belegte den letzten Platz auf der Frauenliste der SP. Ich weiss aus eigener Erfahrung: Das tut weh und lässt einen zweifeln. Annemarie zweifelte nur kurz. Dann war für sie klar, dass sie weiterhin Politik machen wollte und dass sie sich von einem schlechten Resultat nicht davon abbringen liess, sich auch in Zukunft zu engagieren.

 

Im Zentrum ihres politischen Wirkens stand immer die Gemeinde Köniz. In Köniz ist sie aufgewachsen, hier politisiert sie mit einem sehr grossen Wissen und mit Respekt vor dem, was in der Gemeinde Gutes geschaffen wurde. 2008 – also kurz vor Abschluss ihres Studiums – reichte sie jene Motion ein, die als «Bauzonenmoratorium» nationale Bekanntheit erlangte. Die Motion bezweckte, dass in der laufenden Ortsplanungsrevision keine neuen Bauzonen geschaffen werden sollen. Als Köniz im Jahr 2012 vom Schweizerischen Heimatschutz mit dem Wakker-Preis ausgezeichnet wurde, war die sorgfältige Raum- und Siedlungsplanung einer der entscheidenden Punkte für die Verleihung dieses prestigeprächtigen Preises. Die Motion von Annemarie Berlinger-Staub wurde in der Ortsplanungsrevision umgesetzt: Es ist gegenwärtig keine massgebliche Einzonung von Baulandflächen geplant und der Schutz der Natur- und Kulturlandschaften bleibt gewährleistet.

Köniz, das sind für Annemarie Berlinger-Staub jedoch vor allem die Könizerinnen und Könizer. Im Umgang mit ihr wird rasch klar, dass ihr die Menschen wichtig sind, ganz unabhängig von deren politischer Gesinnung. Annemarie Berlinger-Staub hat feine Sensoren für die Zwischentöne und erfasst Situationen schnell. Sie hilft dort, wo sie helfen kann, falsche Versprechungen und leere Worthülsen sind nicht ihr Ding. Sie ist authentisch und hebt sich wohltuend von Politikern ab, die ihre Antworten wie Fähnchen im Wind dem jeweiligen Publikum anpassen.

Ihr feines «Gspüri» für die Menschen zeigte sich auch, als sie 2015 zusammen mit Markus Willi in einem Postulat anregte, in der Gemeinde einen Platz oder eine Strasse nach Mani Matter zu benennen. Der Platz vor der Gurtenbahn wurde im Sommer 2016 auf den Namen des beliebten Troubadours getauft und Mani Matter floss auch in das Projekt «Weg auf den Gurten» mit ein. So kommt es, dass heute der Kater Ferdinand über die Mauer am Rande des Platzes „spaziert“ und an sonnigen Tagen, wenn sich die Warteschlange fürs Gurtenbähnli hinzieht, wohl manche leise ein paar Zeilen eines Mani-Matter-Lieds vor sich hin summen.

In Köniz werden am 22. Oktober 2017 die Weichen für die nächsten zwölf Jahre gestellt. Zukunft geschieht nicht einfach so. Es braucht Menschen, die überzeugt sind, dass ein gutes Leben für alle möglich ist, die die Fähigkeiten haben, diese Zukunft aktiv mitzugestalten und die bereit sind, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Annemarie Berlinger-Staub ist dafür die richtige Person!

Herzlich, Ursula Zybach

 

Ursula Zybach ist aktuell Grossratspräsidentin des Kantons Bern und seit 2012 Spiezer Gemeinderätin. Sie führt die Finanzdirektion.

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